Was ist OTS?

  • OTS steht für OpenTrafficSystems, ist eine Marke der OCA und aus dem Namen der OCA abgeleitet.
  • OTS sieht Systeme für Verkehrssteuerung, Verkehrslenkung und  Verkehrsmanagement als verteilte Systeme, die aus Teilsystemen mit unterschiedlichen Lebenszyklen bestehen und über zertifizierte Kommunikationsmodule kommunizieren.

  • OTS bewertet die Kommunikation als strategisches Element bei der zukunftsorientierten Gestaltung altersgemischter Systemlandschaften
  • OTS fordert, dass unabhängige Lieferanten dazu befähigt werden müssen, Teilsysteme auf der Grundlage von Spezifikationen und zertifizierten Kommunikationsmodulen liefern zu können.

  • OTS bietet ein Rahmenwerk, was all dies unterstützt.
  • OTS ist nicht nur eine Schnittstellenspezifikation, sondern ein Gesamtkonzept, was dieses Rahmenwerk lebendig hält.

  • OTS ist kein Gegenpol zu OCIT, sondern OCIT® ist integraler Baustein von OTS für den Anwendungsbereich Lichtsignalsteuerung.

OTS hat seine Wurzeln in OCIT

Schon in den 90-er Jahren sahen sich Öffentliche Baulastträger und Betreiber zunehmend mit Forderungen von Rechnungsprüfungsämtern, Fördermittelgebern oder weiteren Stakeholdern konfrontiert, für Lichtsignalsteuerungssysteme Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die Beschaffung von Lichtsignalsteuerungssystemen mit dem Ziel des Wettbewerbs und damit der Senkung von Preisen möglich ist.

In einer ersten Reaktion haben die für die Beschaffung zuständigen Personen eigene, stadtspezifische Standards festgelegt. Beispiele dafür sind BEFA-15-Derivate (Hannover, Nürnberg), TELIS (Regensburg) und VNetS (München). Diese Schnittstellenstandards waren darauf ausgerichtet, die bisher üblichen, monolithischen Lichtsignalsteuerungssysteme derart aufzugliedern, dass Zentrale und Steuergeräte als eigenständige Lose zum Gegenstand öffentlicher Ausschreibungen unter Wettbewerbsbedingungen gemacht werden konnten. Dies führte zur Herstellermischung.

Für Hersteller waren die stadtspezifischen Standards jedoch mit nicht überschaubaren Kostenrisiken verbunden. Sie haben deshalb 1999 die OCIT®-Initiative gestartet (OCIT® steht für Open Communication Interface for Traffic Systems, siehe www.ocit.org). Ziel war es, der Verbreitung der vielen stadtspezifischen Standards durch einen offenen Industrie-Standard Einhalt zu gebieten. Damit die öffentlichen Baulastträger und Betreiber in dieser Initiative ihre Interessen wirksam wahrnehmen konnten, haben sie unter der OCA (Open Traffic System City Association e.V) eine Solidargemeinschaft gegründet, die als gleichberechtigter Partner an dem Standardisierungsprozess mitwirkte.

Warum dann OTS?

Finanziell gesehen ist OCIT® für die Auftraggeberseite eine Erfolgsgeschichte. Der damit verbundene größere Wettbewerb hat zu deutlich günstigeren Preisen geführt, als dies vorher der Fall war. Doch OCIT® zeigt auch Schwächen. Diese sind darin begründet, dass der ursprünglich lediglich auf Einführung von Wettbewerb und damit Herstellermischbarkeit in der Feldebene von Lichtsignalsteuerungssystemen ausgerichtete OCIT®-Standard nicht ausreicht, über den finanziellen Aspekt hinausgehende Anforderungen auch nur näherungsweise unterstützen zu können.

Solche Anforderungen resultieren aus Projekten, die den (politischen) Anspruch nach nachhaltiger Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zum Inhalt haben und als Konsequenz darauf von Betreibern der Lichtsignalsteuerungssysteme die Unterstützung ganz neuer (Mehrwert-)Dienste, wie z.B. Verkehrslageberichte, verlangen. Denen kann nur durch Integration herkömmlicher Verkehrssteuerungssysteme nebst zugehörigem Ausbau zu sog. Verkehrsmanagement- und Verkehrstelematiksystemen entsprochen werden. Beispiele dafür sind Projekte der BMBF-Initiative „Mobilität in Ballungsräumen“ und der BMWi-Initiative „Verkehrsmanagement 2010“. Die für eine Verkehrsmanagementfunktionalität erforderliche Verbundfähigkeit bedingt Herstellermischbarkeit über alle an einer solchen Integration beteiligten Teilsysteme (und nicht nur der Lichtsignalsteuerung) hinweg und erfordert neben der bisher allein auf Schnittstellen gerichtete Sicht eine verstärkte Berücksichtigung der Prinzipien von Kommunikationstechnik aus dem Bereich der offenen Datenkommunikation verteilter Systeme.

An Auftraggeber und Hersteller werden damit neue Anforderungen gestellt, auf die sie aufgrund der in der Vergangenheit üblichen Praxis nicht vorbereitet sind. Demzufolge stellt sich Herstellermischbarkeit und Verbundfähigkeit für viele mit Systembeschaffung befassten Personen als ein schwieriges Kapitel dar.

Bei der OCA als Vertretung der Nachfragerseite ist deshalb die Auffassung gereift, dass sie in dem zu verändernden Standardisierungsprozess eine Führungsrolle übernehmen muss, um ihrer Verantwortung der Mitgliederunterstützung bei Beschaffung und Umgestaltung von Systemen besser gerecht zu werden. Dieser Anspruch wurde durch sog. OTS-Beschlüsse der OCA -Mitgliederversammlungen (2005, 2006, 2007 und 2008) mehrfach untermauert.

Über einen von der OCA geführten OTS-Prozess sollen nun Voraussetzungen geschaffen werden, die Rolle von Kommunikationsstandards deutlich weitergehend als bisher zu beachten. Gleichzeitig soll im Rahmen dieses Prozesses den mit der Beschaffung und Lieferung beauftragten Personen in den öffentlichen Verwaltungen bzw. der Industrie neue/zusätzliche Handlungshilfen vermittelt werden, um mit der Problematik Herstellermischung im Zuge konkreter Beschaffungen angemessen umgehen zu können.